Nachruf auf ein Jahrhundertleben: Willy Posegga (1921–2025)
Nur 20 Tage vor seinem 105. Geburtstag ist Willy Posegga, langjähriges Mitglied unserer Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Kreisgruppe Darmstadt-Dieburg, friedlich eingeschlafen. Er konnte noch am ersten Weihnachtsfeiertag 2025 das Fest im Kreise der Familie genießen, bevor er zwei Tage später seinen letzten Weg antrat. Vier Jahrzehnte war er ein fester und treuer Teil unserer Landsmannschaft. Wenn wir auf sein Leben blicken, sehen wir eine beeindruckende Beständigkeit. Bis zu seinem 98. Lebensjahr war er aktiv in unserer Mitte. Er kam regelmäßig zu unseren Veranstaltungen – und wir erinnern uns, dass er bis zu diesem hohen Alter sogar noch mit dem selbstgesteuerten Auto zu uns fand. Gemeinsam mit seiner Frau hat er an den von uns organisierten Busreisen zu den Deutschlandtreffen der Ostpreußen teilgenommen. Er war nicht nur Gast bei unseren Zusammenkünften, sondern hat auch unsere Arbeit aktiv mitgestaltet: Im Vorstand wirkte er als Wahlleiter und Kassenprüfer mit. Auf einer der letzten Veranstaltungen, die er besuchte, hat er sogar noch das Tanzbein geschwungen.
Willy Posegga war ein Mann, der sich auch für die Welt interessierte. Er war tief mit politischen und heimatpolitischen Themen verbunden. Oft brachte er Zeitungsausschnitte mit. Selbst als es ihm körperlich nicht mehr möglich war, an unseren Treffen teilzunehmen, interessierte er sich weiter für unsere landsmannschaftliche Arbeit. Für diese Treue und tiefe Verbundenheit zur alten Heimat wurde er im Jahr 2015 mit dem „Goldenen Treuezeichen“ der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen geehrt. Sein Lebensweg begann kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Deutsch Eylau im Kreis Rosenberg, das bis 1920 zu Westpreußen gehörte. Aber im Versailler Vertrag war bestimmt worden, dass die Bevölkerung in einer Volksabstimmung am 11. Juli 1920 weiter über ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich oder Polen abstimmen musste. Dabei hatten sich 95,3 % für das Deutsche Reich und nur 4,7 % für Polen entschieden. Da große Teile von Westpreußen aufgrund des Versailler Vertrags an den Polnischen Korridor fielen, wurden östliche Gebiete von Westpreußen, wie Deutsch Eylau, der Provinz Ostpreußen angegliedert. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung der deutschen Bevölkerung sowie der Ansiedlung von Polen wurde die Stadt Deutsch Eylau in Ilawa umbenannt und gehört zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Nach Krieg und Gefangenschaft fand Willy Posegga in Pfungstadt eine neue Bleibe. Dort lernte er auch seine spätere Frau Leonie geb. Reinheimer, die Apothekerin aus der Berchelmann’schen Apotheke (der ältesten im Ort), kennen. Als gelernter Kaufmann hat er noch im hohen Alter die buchhalterischen Aufgaben für seine Tochter in der Apotheke wahrgenommen.
Wir werden Willy Posegga immer in guter Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Wir trauern heute nicht um ihn – denn er hatte ein erfülltes, langes Leben –, sondern wir trauern um uns, die wir nun ohne ihn sind. Wir danken von Herzen, dass er gewesen ist.
Im Namen der Landsmannschaft
der Ost- und Westpreußen
Kreisgruppe Darmstadt-Dieburg
Gerhard Schröder
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